Schimmel der nicht am Rahmen selbst sitzt, sondern in dem Bereich wo Fensterrahmen und Wand aufeinandertreffen – das ist eine Situation, die viele überrascht. Man sucht das Problem am Fenster, findet es aber eigentlich in der Wand. Oder genauer gesagt: im Übergang zwischen beiden.
Dieser Bereich hat einen Namen: der Mauerwerksanschluss. Und er ist bauphysikalisch eine der anfälligsten Stellen im gesamten Fensterbereich.
Was der Mauerwerksanschluss ist
Wenn ein Fenster in eine Außenwand eingebaut wird, entsteht zwischen dem Rahmen und dem umliegenden Mauerwerk eine Fuge. Diese Fuge wird abgedichtet – mit Montageschaum, Fugenmasse, Silikon oder einer Kombination davon. Außen wird sie meist verputzt oder mit einem Anputzwinkel abgedeckt.
Dieser Anschlussbereich muss gleichzeitig mehrere Anforderungen erfüllen: Er muss luftdicht sein, damit keine unkontrollierte Feuchtigkeit eindringt. Er muss dampfdiffusionsoffen sein, damit Feuchtigkeit die sich im Wandaufbau bildet, nach außen entweichen kann. Und er muss wärmegedämmt sein, damit keine Kältebrücke entsteht.
Wenn eine dieser Anforderungen nicht erfüllt ist – was bei älteren Einbauten, bei schlecht ausgeführten Sanierungen oder bei gesetztem und gerissenem Fugenmaterial häufig der Fall ist – entsteht eine Stelle, an der Feuchtigkeit eindringen oder kondensieren kann.
Wie Schimmel am Mauerwerksanschluss entsteht
Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Wege, auf denen Feuchtigkeit in den Anschlussbereich gelangt.
Der erste: Feuchtigkeit von außen. Eine undichte oder gerissene Außenabdichtung lässt Regenwasser oder Spritzwasser in den Anschlussbereich eindringen. Das Wasser zieht ins Mauerwerk und erscheint innen als feuchte Stelle neben dem Fenster – oft erst Wochen später, nachdem es sich durch den Wandaufbau vorgearbeitet hat.
Der zweite: Kondensation von innen. Eine unzureichend gedämmte oder abgedichtete Anschlussfuge ist kälter als die umliegende Wand. Feuchte Raumluft kondensiert dort – ähnlich wie am Fensterrahmen, aber in einem Bereich der schwer einsehbar und schlecht zu belüften ist. Schimmel wächst dort oft unbemerkt, bevor er an der Oberfläche sichtbar wird.
Schimmel zwischen Fenster und Wand – wie man ihn einschätzt
Die sichtbaren Zeichen sind oft dezent am Anfang: ein grauer Schatten entlang der Anschlussfuge, eine leichte Verfärbung des Putzes neben dem Rahmen, oder dunkle Flecken die sich langsam von der Fuge aus ausbreiten.
Manchmal zeigt sich das Problem erst als abblätternde Farbe oder aufgequollener Putz in dem Bereich. Das deutet auf tiefere Durchfeuchtung hin – nicht nur oberflächlichen Schimmel.
Ein wichtiger Unterschied zu Schimmel in der Fensterecke durch Wärmebrücken: Beim Mauerwerksanschluss sitzt das Problem nicht im Rahmen selbst oder in der unmittelbaren Ecke des Fensters, sondern seitlich davon – in dem Wandbereich der den Rahmen umgibt. Das ist ein anderer Ort und eine andere Ursache, auch wenn beides ähnlich aussehen kann.
Was man selbst tun kann – und was nicht
Oberflächlichen Schimmel auf dem Putz neben dem Fenster kann man reinigen – mit Isopropanol oder einem geeigneten Schimmelentferner. Das beseitigt das Sichtbare. Die Ursache bleibt davon unberührt.
Die Anschlussfuge innen zu erneuern – also das alte Silikon zwischen Rahmen und Putz herauszuschneiden und neu zu verfugen – ist eine sinnvolle Maßnahme wenn die Fuge sichtbar gerissen oder abgelöst ist. Das schließt zumindest die innere Feuchtigkeitsquelle.
Was man selbst nicht sinnvoll beurteilen kann: ob die Außenabdichtung intakt ist, ob der Wandaufbau im Anschlussbereich korrekt gedämmt ist, und ob Feuchtigkeit von außen eindringt. Das erfordert eine fachkundige Einschätzung – und in manchen Fällen eine Öffnung des Anschlussbereichs von außen.
Wann ein Fachmann nötig ist
Schimmel zwischen Fenster und Wand der trotz Reinigung und erneuerter Innenfuge immer wieder auftaucht, ist fast immer ein Hinweis auf eine tieferliegende Ursache. Entweder die Außenabdichtung ist nicht mehr intakt, oder der Anschluss ist bauphysikalisch grundsätzlich problematisch – zu wenig Dämmung, falsche Materialien, schlecht ausgeführter Einbau.
In solchen Fällen lohnt es sich, einen Fachmann hinzuzuziehen der den Anschlussbereich vollständig beurteilen kann. Ein Energieberater mit Wärmebildkamera kann Kältebrücken und Feuchtigkeitsstellen sichtbar machen, ohne dass sofort gebaut werden muss.
Schimmel zwischen Fenster und Wand ist in vielen Fällen kein Nutzungsproblem – es ist ein Einbauproblem. Und das löst sich nicht durch häufigeres Lüften.
